The Wall

Als mich der technische Leiter in China fragte, ob ich auf einen light weight summit nach Beijing (Peking) möchte, habe ich natürlich keine Sekunde gezögert und souverän “if the company needs me there, sure” gesagt. Der summit beginnt Montag, um 9Uhr in einem recht annehmbaren Hotel, nicht weit weg vom Zentrum der Stadt. Da es schon früh losgeht dachte ich mir, eine Anreise am Sonntag wäre angebracht, ein bisschen weiter gedacht dann, Moment, warum nicht schon am Freitag und noch ein bisschen was von der Stadt bzw. der Mauer mitnehmen :-)?

Also flugs nen Flug für Freitag, 16h20min ab PVG Flughafen gebucht, einen Fahrer fürSamstag dazu, der mich morgens um 7 am Hotel abholt und an die Mauer fährt, entspannt und früh genug in Beijing ankommen, rechtzeitig, um noch bei Subway Proviant für Samstag zu besorgen und los hätte es gehen können! Nicht aber mit mir, wie immer…

Bei Air China wird auf dem Bestätigungsschreiben leider nicht die Boarding, sondern die Take Off Zeit angegeben. Darüber hinaus gibt es anscheinend eine Regel, die dem Ticket counter verbietet, Tickets bei einer Unterschreitung von 45min. zu der auf dem Bestätigungsschreiben angegebenen Zeit auszugeben, wie mir die zierliche und körperlich klar unterlegene Schalterdame lächelnd erklärte…
Um es kurz zu machen,
A)
ich wusste beides nicht

und B)
ich war 35min. vor der angegebenen Zeit da und, nein, es gab keine Fabi Ausnahme:

“Sorry we can’t…”. Auch mein finaler “Ich-bring-dich-um” Blick blieb erfolglos 🙁 also half alles nichts, ich rief, nachdem ich erfahren hatte, dass der einzige andere Flieger von Air China an dem Tag nach Beijing ausgebucht war, nass geschwitzt (über 30°C) Rachel, die gute Seele der EAT an.

In 15min. war das Problem gelöst, ein neuer Flug mit China Eastern vom Hongqiao Airport gefunden, der um 19Uhr !!!Take Off!!! haben sollte. Zeit genug, um bequem mit dem Taxi die Flughäfen zu wechseln und den Zeitplan noch gut einzuhalten, incl. Proviant! Fabian war sehr glücklich. Also schnellstens ein Taxi angeln und los geht’s.

Dass der verdammte Taxifahrer gar keine licence plate (Lizenz) in dem dafür vorgesehenen Kasten hatte, fiel mir erst auf, als er mir einen spezial Deal anbot: für mich, heute und exclusiv ein einmaliger Transfer für nur 350 RMB, leider waren wir da schon auf der Gaudjia (Hochstrasse), da springt man besser nicht mal eben aus dem Taxi und auch das Rausschmeißen des Wegelagerers hinter dem Lenkrad kann ernste Folgen mit sich bringen… Also die volle Defensive auspacken!!! Zuerst muss man immer lauter als der Taxifahrer sein, Sprache ist dabei vollkommen Nebensache ;-)! Zweitens den Chifu darauf hinweisen, dass man kein Tourist ist sondern hier wohnt, schon waren wir auf 300RMB, dann noch Handy raus und GPS gestartet um die Route zu überprüfen: 250 RMB so langsam kamen wir in einen Bereich, der ins annehmbare kam. Zur Sicherheit noch David (Vertrauenskollege) angerufen, er hat dann am Tel. auch noch mal den Chifu angebrüllt und weiter ging es. Natürlich ohne Extraangebot und mit legaler Rechnung (215RMB) aus dem Taxomat.

Am Flughafen angekommen dann schnell Tickets gezogen und rein in den Check in. Drinnen gab es nur warmes Bier, was in China ganz normal ist. Also warten bis zum Borden und dann hieß es wieder warten und zwar bis um 21:30!!! Remember: es sollte eigentlich um 19Uhr los gehen…

Zusammen mit meinem chinesischen Sitznachbarn hatte ich dann auch gute 5 Dosen auf + einen Apfelsaft, den der höchst begabte Steward mir in den Schoss gekippt hat :-(.

Um halb eins war ich im Hotel, um eins im Bett, am nächsten Morgen sollte es um 7 Uhr losgehen, also um 6 Uhr aufstehen… Irgend etwas ist da dann wohl bei der nächtlichen Kommunikation mit Mareike schief gelaufen, denn die rief mich in bester Laune zum Wecken um 5 an… :-(!

Die Wettervorhersage war schwach, Regen bei um die 20°C, beim letzten Check heute morgen konnte ich es kaum glauben, 31°C mit Sonne war die Info, die mich da aus dem Handy anstrahlte :-). Der Fahrer war verrückterweise auch pünktlich da und wir haben auf Anhieb die Stelle gefunden, die ich mir auserkoren hatte :-). Los ging es also, ran an die Mauer!

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Der Zustieg war schon recht sportlich aber um 9Uhr war es noch nicht unerträglich heiß, ich hatte 4l Wasser mit, Energy Bars und Sandwichs vom 7Eleven, Subway hatte natürlich noch zu um die Zeit…

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Wie zu Hause habe ich mirgedacht 🙂

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Auf einmal konnte man dan einen Turm sehen und wenig später stand ich vor einem Loch, durch das man ins innere der Mauer kriechen konnte.

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Sehr geheimnisvoll…

DSC01055Nach dem Zustieg gab es dann aber atemberaubende Ausblicke, die einen fesseln und faszinieren und für alle, wie auch immer gearteten Aufwändungen, entschädigen!!!

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Ich bin natürlich nicht an die standard Touri Mauer gefahren sondern an einen nicht restaurierten Teil, den ich auch im Nachhinein nur rel. gut trainierten und sehr trittfesten Leuten empfehlen kann.
Zunächst habe ich mich links gehalten und bin ca. 3,5km über die Mauer gekraxelt, ein Traum!!!

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Manchmal war es auch etwas gröber…

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Blick zurück…

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und nach vorne

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unfassbare Aussichten, die sich mir eingebrannt haben 🙂

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Ein paar kleine Mitbringsel, die ich von guten Freunden aus der Heimat mitbekommen habe waren natürlich auch mit dabei ;-), das geschulte Auge hat ihn oben schon ein Mal entdeckt :-).

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Nun war es soweit, es musste ein Zeichen gesetzt werden, hisst die Fahne ;-)!!!
Wie heißt es so schön? you never walk alone!!!

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Nee wat geht et mir schlecht 🙂
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Bei ein paar wenigen Passagen könnte man schon das Wort gefährlich in den Mund nehmen, zumindest fiel mir dieses Wort augenblicklich ein, als ich den “Weg” gesehen habe…
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es ging sprichwörtlich abwärts…

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Wegen einem Stausee und einem angrenzenden Touristenabschnitt ging es dann irgendwann nicht mehr weiter, die Mauer ist einfach unterbrochen.
DSC_0098Dumm, wenn man dies erst zu spät einsieht und dann hier wieder hoch muss… Runter war ja schon blöd…
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Nach meinem Zwangsabstieg bin ich die ganze Strecke im Tal, auf der Straße, wieder zurück gelaufen, wieder zu der Ausgangsposition, es war mittlerweile 12Uhr, und dann hies es noch einmal den Zustieg machen.

Dieses Mal musste ich ein paar Pausen im Schatten einlegen, die Hitze war schon hart und es wurde mir öfters schwindelig. So gucke ich nicht aus Spaß!!!
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Oben angekommen ging es jetzt rechts herum.
Wobei erst einmal eine Pause in einem der Wachttürme angesagt war!
DSC_0128Mit geiler Aussicht versteht sich 🙂
DSC01073Geich danach die nächste Herausforderung, aus dem rechten Fenster klettern um weiter zu kommen, nichts für schwache Nerven/schwitzige Finger…
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Nach ein paar hundert Metern kommt dann ein sehr touristenarmer aber teilrestaurierter Teil der Mauer, der jedoch unfassbar steil, sowohl mit als auch ohne Stufen, ausfällt.

Immer neue Türme warten auf dem Weg…

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Und nochmal Pause!!! (incl. 40min. Schalf im Schatten…)
DSC01156Frisch motviert geht es weiter.

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Die Steilheit ist an manchen Stellen kaum zu beschreiben, so etwas kenne ich nur von wirklich schwarzen Pisten in den Alpen… Vor der Frau geht es fast senkrecht runter!

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Blick von unten nach oben… sieht doch eher wie eine Wand aus oder?
Ich würde sagen, das hat über 100% Steigung…

DSC_0133 DSC01115Nicht ganz so steil aber dafür um so länger…

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Da biste froh, wenne oben bist 🙂

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Blick über die Schulter…
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Oben angekommen Entlohnt einen wieder ein Wahsinns Ausblick
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Und ein erster Eindruck davon, wie sich die Bauherren den Abstieg vorgestellt haben…

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Blick ach oben…

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Steil bleibt es bis zu letzt, die gute Frau ist nicht gestürzt, sie krabbelt auf allen Vieren die Treppe hoch…

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Dann endet auch hier die Mauer an einem See…

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Auf beiden Wegen habe ich 2 volle Tüten Plastikflaschen aufgesammelt, man kann es sich kaum mit anschauen, wie es in dieser unglaublich schönen Umgebung trotzdem viele Leute gibt, die ihren Müll einfachliegen lassen…

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Die hohe Temperatur in Verbindung mit der langen und sehr anstrengenden Wanderung habe ich schon sehr deutlich gemerkt! Beim letzten Abstieg haben die Oberschenken gezittert und ich war ehrlich gesagt froh, ohne Sturz unten zu sein, wenn man hier stürzt, fält man an vielen Stellen um die 100m eine sehr große und grobe Steintreppe hinunter, echt uncool…

Diese Zeilen schreibe ich nun 2 Tage nach der Mauer und kann immer noch nicht wieder anständig laufen, der Muskelkater ist so stark, dass ich kaum die Treppen zur U-Bahn schaffe, es geht nur im Entenschritt…

ABER, dass war es verdammt noch mal wert :-)!!!

Hier die technichen Daten :-):
https://www.polarpersonaltrainer.com/shared/exercise.ftl?shareTag=896732a5423549515b7a4c734cfcb0f6

3 thoughts on “The Wall

  1. hey fabi!!
    die bilder sind wirklich unfassbar!! als wir telefoniert haben, habe ich mir einiges vorgestellt, aber nicht solch eine wahnsinns landschaft. die mauer sieht atemberaubend aus. unvorstellbar, wie die menschen diese endlos lange steinmauer vor so vielen hunderten von jahren gebaut haben!!!
    ich freue mich wahnsinnig darauf, wenn wir im oktober nochmal zusammen (dann auch mit patrick und veronika ;oD) dort hinfahren. die tour muss dann nicht so anstrendend sein!! ;oD aber die landschaft bitte genauso schön!!!
    hab noch eine nette zeit in peking!!!
    bis morgen!!!
    ;-*

  2. Kannte deine Erlebnisse ja zwar schon vom Telefon, war aber doch höchst amüsant, das Ganze noch mal zu lesen!
    Die Mauer ist echt der Wahnsinn! So steil hätte ich mir das nicht vorgestellt!
    Ist ja sowohl rauf als auch runter wirklich eine heftige sportliche Herausforderung! Eigentlich wollte ich doch auch dahin – aber ich fürchte, da fehlt mir bisschen Kondition!
    Ansonsten sieht die Landschaft schön grün und hügelig aus – könnte auch hier sein!
    Liebe Grüße!!!

  3. Huhu, wie cool…. “Arlinja” war schon auf der großen Mauer. ^^ Die Bilder sind atemberaubend und wir möchten es auch mal sehen, dann aber nicht so anstrengend. :-PPP Wir nehmen den Touriteil. ^^ Die Maus ist schwer, wenn man die eine Weile trägt und über die Stufen…, nein danke. Da würden wir ja nach einer halben Stunde schon kapitulieren. Bewegliche und zappelnde 9Kilo möcht ich da nicht rumschleppen.

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