Ein echter Chinese werden

Eine Sache, die unzertrennlich mit China verbunden ist ist der Tee.
Ein Chinese hütet seine Yixing Teekanne wie seinen Augapfel und sie begleitet ihn besten Falls sein gesamtes Leben lang.

Yixing ist eine kleine Stadt, 180km westlich von Shanghai, am Taihu Lake in der Jiangsu Province gelegen. Hier gibt es die unter Teekennern auf der gesamten Welt geschätzten, aus dem speziellen Yixing Ton gefertigten Teekannen. Was diese Kannen so besonders macht ist der Ton, der, falls richtig gebrannt, eine Teildurchlässigkeit für Luft aufweisen soll, was dem Tee eine ganz besondere Geschmacksnote verleiht.

Letztes Wochenende ging es mit dem Bullet-train über das südlich gelegene Hangzhou mit 300Km/h nach Yixing um ein oder zwei 😉 dieser exemplare zu ergattern. Glücklicherweise konnte sich mein Freund Mike und seine Freundin Xiaoning ebenfalls für das Thema begeistern und wir konnten zusammen starten.

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Dem Trip ging eine lange Vorbereitung voraus denn, wie immer bei solchen sensiblen Spezialitäten, die obendrein noch sehr kostspielig werden können, gibt es viel fake, Nepp und Schund, speziell für den geneigten Xigoaren (Westmensch). Als solcher hat man sowie so das Wort “Opfer” auf der Stirn stehen…

Bei der Recherche kam dann auch schnell ans Licht, dass es seit 2005 viele Teekrüge aus gestrecktem Ton gibt. Die chinesische Regierung hatte die Abbaumenge des Tons begrenzt und nun taucht mit Schwermetall belastetes – gestrecktes Material auf…

Eine sehr liebe Kollegin hatte dann aber einen Tipp, eine Freundin von Ihr kommt aus Yixing und ihre Familie hat dort eine Werkstatt, wo die Kannen hergestellt werden.

Als wir am späten Freitag Abend im Yixing Hotel eintrafen wurden wir von der neuen Herberge sehr positiv überrascht, das Hotel wird als “government” Hotel bezeichnet, d.H. hier residieren die hohen Herren und es wird staatlich geführt, dem entsprechend nobel war es und das, zu einem günstigen Preis! Teekannen gab es bereits in der Lobby zur Genüge…

DSC03683Neben Sauna (zum Leidwesen von Xiaoning nur für Männer), Pool & Massage gibt es auch Schneider, Frisör und alles andere, was das Herz begehrt. Das Frühstücksbuffet am nächsten morgen war das beste, was ich bislang gesehen habe, sogar der Service war beeindruckend und das heißt was in China!

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Dann ging es zu der Firma und der Teekannen Stress beginnt.
Die Begrüßung viel etwas trocken aus, der kleine meldete uns beim Hausherren an.
DSC03702Die Reitze waren umgehend überflutet, dies lag zum einen an den Preisen (gerne im 5 stelligen RMB Bereich), zum anderen aber auch an der sehr großen und sehr schönen Auswahl!
Die Produktion und das Materiallager haben wir dann auch noch besichtigen können, bevor wir in die langwierigen Preisverhandlungen eingestiegen sind…
Vorher haben wir, als ausgesprochene extra zum Teekannenkauf aus der Ferne angereisten Experten die Ware eingehend unter die Lupe genommen!

DSC03773Final haben wir dann zusammen 5 Kannen nebst passenden Ausschenkkannen und ein paar Tee Krügen gekauft. Die Preise wurden lange und mit viel Tee verhandelt, wir haben alles mindestens zu 50% runter gehandelt, am Ende waren glaube ich, wie so oft in China, beide Seiten froh. Ich, dass ich nicht 3000RMB zahlen muss und der Händler, weil er uns garantiert immer noch das doppelte verglichen mit einem Chinesen abgenommen hat ;).
Es hat sich aber gelohnt und die “Beute” ist sehr schön 🙂DSC03775

Wir waren nach dem einvernehmlichen Annicken – Ok – in einer gewissen Feierlaune
DSC03776Zu guter Letzt hat uns der Firmen Chef dann noch von seinem Fahrer zurück zum Hotel fahren lassen :).

DSC03783Sonntag ginge es dann noch ein wenig auf Entdeckungstour und am Nachmittag wieder zurück.

Heute, am Wochenende danach bin ich immer noch mit der traditionellen, sehr aufwändigen Vorbereitung der Kannen beschäftigt. Die Kannen werden 4 Mal für jeweils eine Stunde gekocht!
Das erste mal nur in klarem Wasser. Dies soll die Poren der Kanne aktivieren und sie praktisch aufwecken :-).
DSC03911Beim 2. Kochen wird Tofu in das Wasser gegeben, dies soll das Feuer in dem Ton, verursacht durch den Brennvorgang mildern bzw. rausholen. Danach wird noch einmal mit der obersten spitze eines Zuckerrohrrohrs gekocht, warum konnte mir keiner sagen, ist aber auch egal, das mit dem Tofu und dem Feuer hatte ich auch schon nicht verstanden ;).
DSC03933Zu guter letzt wird die Kanne dann noch einmal mit einem starken Tee (100g) gekocht, hier muss die spätere Bestimmung der Kanne dann aber schon klar sein da die Kanne in ihrem Leben sortenrein benutzt werden soll.
DSC03937DSC03939D.H immer nur eine Teesorte pro einer Kanne…

Die Tees werden grob unterschieden in:
– weißer Tee
– grüner Tee
– roter Tee (Teilfermentiert)
– brauner Tee (Fermentiert)
– schwarzer Tee (Fermentiert)

Dummer Weise sind die Farben anders als bei uns verteilt, der chinesische rote Tee ist unser schwarzer etc….