Schönes China Fujian Province – CNY

Schönes China Fujian Provinz

Wie jedes Jahr steht Anfang Februar Chinese New Year ins Haus, kurz CNY. Da in diesem Zeitraum alle Chinesen irgendwo hin reisen müssen ist es für einen Ausländer fast unmöglich, selbiges zu tun.
Dies musste ich nun, 2 Wochen vorher ebenfalls feststellen, als ich mal eben einen Flug nach den Philippinen, Taiwan, Süd Korea, Japan, eigentlich egal wo hin, Hauptsache weg buchen wollte.
Es gab keine mehr :(.
Also kurzerhand das Internet auf links gezogen, alle Aktivitäten-links des letzten Jahres noch mal  durchforstet und: tatsächlich, da ist noch ein Adventure-trip mit Bike im Süden Chinas, ca. 1000km entfernt von Shanghai, in der Fujian Provinz zu haben.
Nach meiner Kontaktaufnahme und dem direkt angeschlossenen Besuch beim Veranstalter in Shanghai wurde mir mitgeteilt, dass ich der einzige Interessent bin, es war Samstag, am Donnerstag fangen die Ferien an…

Dienstag dann kam eine SMS, wenn ich wollte würde er auch mit mir alleine den Trip durchziehen, er würde so oder so fahren… klar wollte ich :).

Von dem Tag an wurde ausschließlich am Bike geschraubt, die Luft muss aus den Bremsleitungen und die verölten Beläge müssen gesäubert werden inclusive Bremskolben De&montage klappte alles. Pünktlich, Donnerstag Abend, war es geschafft. Freitag Morgen kam dann ein 20 Jahre alter Jeep angerollt und hat mich incl. üppigem Gepäck verschluckt.

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Nach nicht weniger als 10 Stunden im geräumigen und bequemen Gefährt…

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…waren wir dann auch schon da, erste Station: seine Familie in Ningde. Zur Begrüßung, die läuft hier etwas anders ab als bei uns, wurde sich zwischen Eltern und Sohn erst einmal angeschrien, um die Wahl der richtigen Parklücke einwandfrei zu erläutern – man hatte sich ja ein Jahr nicht gesehen…

Den Abend haben wir dann im gemütlichen Familien Wohnzimmer verbracht, es ähnelt eher einem Kaufhaus Schaufenster mit Neonbeleuchtung, nach dem Räumungsverkauf. Es ist sehr hell und extrem vollgepackt mit so ziemlich allem, was man sich wo hinstellen kann. Das Gute daran, es wird nicht langweilig, man entdeckt ständig neue Sachen. Unterm Tisch, unter nem Stapel  Zeitungen steht ein Glas mit nen paar Fischen drin, die überraschender Weise sogar noch leben!

Ich durfte glücklicherweise im benachbarten Hotel einziehen, eins mit 2 Sternen (chinesischen). Eigentlich ist das Hotel gar nicht Laowei proof – Ausländer dürfen in China eigentlich erst ab 3 Sternen in ein Hotel…

Am kommenden Tag ging es dann los, eine recht schöne Bike Tour durch die Berge und die Natur, nach einem Jahr China die erste richtige Bike Tour. Das Wetter passte super, es waren und super Sonne.

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Abends ging es dann durch Ningde wo ein paar sehr kuriose Restaurants auf ihre Gäste warten.

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Unsere Wahl viel dann auf ein Restaurant mit einer etwas lebendigeren Speisekarte:

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Soo sieht es dann meistens nach dem Essen aus…

DSC03433Tags drauf ging es dann nach Xiapu, wo die Oma vom Guide lebt, hier ist die Zeit stehen geblieben…

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Auch bei den Sanitäranlagen, die hier noch von vielen als einziges “stilles Örtchen” genutzt werden…

DSC03203DSC03202Die gute Frau ist 88 und lebt noch wie im Mittelalter in ihrem kleinen Häuschen mit Wohnstube und mit Holz befeuertem Herd! Eigentlich unfassbar… dennoch scheint sie glücklich und dem Alter entsprechend ziemlich fit zu sein.

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Von Xiapu aus ging es dann Tags drauf mit dem Jeep auf Erkundungstour,  kleine Fischerhäfen und mittlere Berge lagen auf der Tour, bevor wir dann am Strand den Jeep stehen ließen und mit dem Bike weiter fuhren.

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DSC03155Als wir die bike Tour gestartet haben war das Wetter super, die Sonne schien und es war warm genug für das “kurze” Dress ;). Nach einem langen Anstieg waren wir dann auf dem Berg als einer der schnellsten Wetterumschwünge kam, den ich erlebt habe.

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Es kam ein kräftiger kalter Wind und in Minuten war es Neblig und kühl, da es aber nicht gewittrig aussah sind wir weiter geradelt und haben so ziemlich jede Sackgasse ausprobiert, die es südlich von Shanghai gibt ;).DSC03344

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Auch wenn wir ausnahmsweise keinen Rundtrip gefunden haben und den gleichen Weg wieder zurück fahren mussten, den wir gekommen sind war es eine gute Ausfahrt mit tollen Ausblicken.
Bilder Panorama

Nach einer weiteren Nacht in Xiapu ging es dann am nächsten Morgen in die Tee-Berge bei Yutang.

Die Anfahrt mit demJeep auf den Berg geschah im sehr dichten Nebel und ich konnte die Kontur der Landschaft kaum erkennen, auch weil ich tausend Tode gestorben bin, weil wir wie die bekloppten im Gegenverkehr – chinese style – den Berg hoch geflogen sind.

Nach der Ankunft wollte ich dann direkt in den Sattel, das 3 Bett hostel Zimmer war ungemütlicher als die Wetterbedingungen bei 5°C, Nebel und Nieselregen… Ayuan, mein Guide lies jedoch verkünden, dass es ihm zu kalt und zu nass ist. Nach einer kurzen Gedankenpause, bei der sein Feingeist anscheinend mein leichtes Unverständnis erkannt hatte, kamen dann noch Rückenschmerzen und was weiß ich noch was als Argument hinzu… Gut, dann fahre ich halt alleine.

Nachdem ich mich umgezogen und mein bike zusammengeschraubt hatte versicherte er sich noch einmal ob ich echt starten wolle, mit den Worten: „sure, I am not a pussy“ entschwand ich dann im Nieselregen…

Anfangs lief es noch prächtig, auch wenn mir die verschlammten Straßen recht schnell eine seichten Teint verpasst hatten.

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Nach 2 Stunden herumgegondel im mittleren Tempo hatte ich dann genug Dreck gefressen und war schon auf dem Heimweg, als mich dieser kleine, nette Trail verführerisch auf einen Ritt einlud. Klar nehm ich den mit, bin ja schließlich nicht jeden Tag und auch nicht zum Spaß hier, ab geht’s in die Walachei… Dass mit dem nicht zum Spaß hatte ich eigentlich zu dem Zeitpunkt gar nicht mal so ernst gemeint und wird mir noch leid tun…

Es ging Anfangs recht angenehm immer weiter weg von der Straße, der Weg wurde etwas schmaler und führte an ein paar Buddhistischen Gräbern vorbei.

An einem sehr rutschigen Fels ging ich dann das erste Mal über den Lenker, ist ja auch nichts Besonderes bei mir, tat aber schon gut weh da ich mit dem rechten Unterarm auf einem Fels aufschlug… Hauptsache das bike ist noch fit :).

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Der Schlamm klebte aber auch wie Beton am Profil des Reifens…DSC03389

Im weiteren Verlauf wurde es dann steiler und felsiger bis es unfahrbar wurde, nun kommt das Problem, was wahrscheinlich jeder Zocker im Casino bestens kennt, bei dem bereits getätigten Einsatz fällt es immer schwerer einzusehen, dass man verloren hat und einfach die Segel zu streichen. Also ging es zunächst mit Schieben, später auch mit viel Tragen weiter, den Berg hinauf.

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Laut GPS hatte ich schon die Hälfte bis zu einer Strasse geschafft, sehen konnte ich nichts, dafür war der nebel zu dicht also lauschte ich gelegentlich, ob ich eine Strasse hören konnte. Als ich auf dem Gipfelplateau angekommen war wuchs die Zuversicht, dass es nun nicht mehr so schwer sein kann, was genau dieses Gefühl ausgelöst hat weis ich auch nicht, es war in jedem Fall ein fieser Trugschluss…

Der Weg wurde sehr eng und führte an einem ziemlich steilen Berghang entlang, der im Nebel entschwand. Der Weg war nach kurzer Distanz nur noch durch den andersfarbigen Bewuchs zu erkennen und so ganz langsam überkam mich ein ungutes Gefühl.

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So langsam wurde es dunkel und ich konnte auch eine leichte Erschöpfung feststellen, als ich an einem Felsvorsprung vorbeikam inspizierte ich schon mal den potentiellen Schlafplatz… nachdem ich mit dem bike nun schon viele  Schulter hohe Stufen runtergeklettert war, min. 5 mal den Abhang runtergerutscht und wieder zu de “Weg” hoch geklettert war, es war mittlerweile nur noch ein Bachlauf, dem ich folgte, kam das große Finale, eine Abrisskante und dann nichts mehr, es ging einfach senkrecht in den Nebel…

Das Fuck, welches intuitiv meinem Mund entschwand hätte man eigentlich bis nach Remscheid hören müssen. Das erste Mal dachte ich ernsthaft darüber, mein bike möge es mir verzeihen, meinen wirklich heiß geliebten Untersatz zurückzulassen um noch bei wenigstens einem bisschen Licht zurückzufinden und nicht irgendwo, am Arsch der Welt einen Berghang mit unklarem Verlauf hinunter zu stürzen. Durch den Nebel konnte ich nicht auf üppiges Mondlicht hoffen… Mit den Kräften schon ganz gut am Ende gab ich 110% und mit zitternden Armen schleppte ich meine zum Glück nicht all zu schwere aber etwas sperrige grüne Braut den scheiß Berg wieder hoch. Zwei kleine Pausen habe ich mir noch gegönnt, für Magnesium gegen die Krämpfe + Müsliriegel und um in meinem 1st Aid Kit zu checken ob ich auch mein Feuerzeug und die Rettungsdecke für die Nacht dabei habe :). Als ich es auf den Berg wieder hoch geschafft hatte war ich komplett durchnässt, von Kälte taube Füße, noch ca. 40min. Plackerei mit der Grünen vor mir, aber es war klar, wir beide werden es an dem Abend ins Hostel schaffen :).
Unter der Dusche, die eigentlich nur ein Scheißhaus mit Brause war ging es mir dann so gut, wie es einem nur gehen kann, wenn man gerade ein Abenteuer mit ein paar blauen Flecken und Abschürfungen, jedoch unter Anbetracht der Umstände erstaunlich gesund hinter sich gebracht hat :).

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Die “Erholungs-bike-tour” am kommenden Tag mit dem bike war glücklicherweise nicht so herausfordernd und neben dem Wetter eher als Genuss radeln anzusehen :).

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One thought on “Schönes China Fujian Province – CNY

  1. Au man – wo ist mein Kommentar von vorhin geblieben? Weiß jetzt nicht, hast du den bekommen oder nicht! Probier`s jetzt noch mal in Kurzfassung:
    Mensch,Sohn, lass deine verrückten Alleingänge sein!!!
    Hattest du nicht versprochen, auf dich aufzupassen und heil zurückzukommen?!
    Auch die Schutzengel wollen vernünftige Arbeitsbedingungen, was ist, wenn die in Streik gehen?
    Also noch mal: Bitte mach nicht so riskante Sachen! Wir möchten dich gesund wieder sehen!

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